Dr. Sabine Haverkamp



Vernissage 13.10.2009


Begegnungen in Freiheit


Ich bin mit Ulrike seit mehr als 10 Jahren befreundet und habe die Entwicklung ihrer Kunst intensiv miterlebt.
Um Ihnen die Bilder und Ulrikes Kunstverständnis näher zu bringen, möchte ich mit zwei für mich markanten Zitaten von ihr beginnen.
„Ich wünsche mir eine Welt, in der Menschen so frei wie möglich sind. Dazu möchte ich mit meinen Bilder beitragen.“
„Ich möchte mit meinen Bildern niemanden zwingen, die Welt so zu sehen wie ich sie sehe. Ich möchte ein Angebot machen, welches Raum für das Erleben von etwas Fremdem und gleichzeitig von sich selber schafft.“

Wie geht das, mit Bildern zu Freiheit beitragen?
Ulrikes Thema ist die Farbe. Die Farbe soll zum Ausdruck kommen und wirken, allein oder in Bezug zu anderen Farben. In diesem Ausdruck ist ‚alles ganz offensichtlich’. Es ist deutlich zu sehen was ist – nicht mehr und nicht weniger. BetrachterInnen können sich auf die Wirkung der Bilder einlassen – sie gefühlsmäßig erfassen, zu verstehen gibt es im intellektuellen Sinne nichts. Es ist nichts „Verstecktes“ zu finden, kein Geheimnis zu entschlüsseln, außer dem, was jede und jeder in sich selbst entdeckt.
Insofern ist es einfach Ulrikes Bilder zu betrachten. Und gleichzeitig ist es schwer, weil sie keine offensichtliche Interpretation anbieten. Ulrikes Bilder durch Denken zu erfassen ist schwer.

„Ich glaube, dass Wahrnehmung dort aufhört, wo inhaltliches/begriffliches Denken anfängt.“
Über diesen Satz - über Wahrnehmung, was das ist und wo sie beginnt oder aufhört, haben wir oft diskutiert - eine Künstlerin und eine Wissenschaftlerin. Ich glaube, wir sind immer noch unterschiedlicher Meinung und sprechen sehr verschiedene Sprachen in diesem Punkt.Dennoch habe ich bemerkt, dass ich bei der Betrachtung von Ulrikes Bildern aufhöre zu denken.
Wir Hinsehenden begegnen uns bei der Betrachtung der Bilder selber. Keine „vorgegebene“ Interpretation ist möglich. Was wir sehen ist fremd. Wir stoßen in der Betrachtung auf unsere eigene Fähigkeit, „Fremden“ zu begegnen. Eine einfache Bewertung (außer vielleicht „aha, ein rotes Bild“) ist nicht möglich. Wir müssen genau hinschauen, wirken lassen - wahrnehmen. Das Bild kann uns gefallen oder auch nicht, aber das ‚Öffnen einer einfachen Schulblade der Interpretation’ ist verwehrt.
So ging es mir auch, als ich Ulrikes Bilder zum ersten Mal sah. Ich schaute die Bilder an und suchte nach etwas, was mir bekannt war. Ich fand nichts.
Als Freundin hatte ich die günstige Gelegenheit direkt zu fragen „Was ist zu sehen? Was soll mir das Bild zeigen? Was willst Du ausdrücken?“Farbe - der Ausdruck der Farben - die Lösung eines visuellen Problems“, war eine ihrer Antworten. Ich fühlte mich auf mich zurückgeworfen und allein. Ich konnte nichts anderes tun, als die Bilder auf mich wirken zu lassen.
Wirken lassen können! Das ist eng verknüpft mit Freiheit. Der persönlichen Freiheit etwas wahrzunehmen ohne es sofort zu beurteilen. Der Freiheit genau hinzusehen.
Wirken lassen können! Ein offener Blick, belässt auch einem Gegenüber, das wir ansehen, die Freiheit, zu sein. Denn offene, neugierige Wahrnehmung, ohne die schnelle Einordnung in vorgeformte Kategorien, erhält auch die Freiheit dessen, was wir sehen. Eine Auseinandersetzung beginnt.
Wir können hinsehen, können uns mit den Bildern von Ulrike auseinandersetzen. Mit den Bildern und damit, wie wir sie betrachten – unseren Sehgewohnheiten.
Auseinandersetzung ist auch der Entstehungsweg jedes einzelnen Bildes.
Auslöser findet Ulrike im Alltag. Zum Beispiel ein grünes Auto vor einer lila Hauswand. Der Ausdruck und das Zusammenwirken dieser Farben bewegen Sie und arbeiten in ihr. Sie beginnt ein Bild und begibt sich damit auf die Suche nach einer ‚Lösung für ein visuelles Problem’. Schicht um Schicht Farbe trägt sie auf die Leimwand auf, bis ‚es’ für sie richtig ist. Richtig ist dabei ein Gefühl, ein intuitives Wissen, das auf Wahrnehmung beruht.
„Ich lasse etwas wirken und es wirkt in mir – das führt mich zu der Lösung,“ beschreibt sie diesen Prozess.
Dabei hat sie sich dem Thema Farbe nur langsam genähert. Lange Zeit arbeitete sie grafisch, reduziert auf Schwarz und Weiß.
„Farbe war mir zu emotional, zu bunt - Schwarz-Weiß-Zeichungen sind klar und unbestechlich“, erklärte sie mir.
Auch hier war schon Ulrikes Wunsch ausgeprägt, das zu zeigen, was wirklich ist, keine Illusionen zu erzeugen. So hat Ulrike zum Beispiel während Zug- oder Autofahrten mit dem Bleistift, auf vielen Blättern hintereinander gezeichnet, was sie gesehen hat.
Sie erläuterte dazu, sie
„untersuche die Reduzierung visueller Eindrücke in Bewegung.“
Ich sehe auf diesen Blättern nur Striche - da hört meine Fähigkeit ihr zu folgen auf.
Seit einigen Jahren beschäftigt sie sich jetzt mit dem Ausdruck von Farbe. Ich freue mich Ulrike darin begleiten zu dürfen, voller Neugierde und in stetiger Auseinandersetzung.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude bei der Ausstellung.